Amazonas

Am Donnerstag den 09. Oktober landeten wir (mein Cousin, der mich für 3 Wochen in Brasilien besuchte, und ich) in Manaus, der Hauptstadt des Staates Amazonas. Es war Mittagszeit und viel zu heiß, schwül und laut auf den Straßen. Bei der hohen Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von ca. 35°C kommt einem alles viel anstrengender vor und nach der langen Reise von Rio über Sao Paulo waren wir ziemlich erschöpft.

Nach einem kleinen Mittagessen in einem „por Quilo“ Restaurant (man bedient sich an einem Buffet, lässt dann seinen Teller wiegen und bezahlt anschließend pro Kilo – sehr verbreitet in Brasilien) erkundeten wir die Stadt.

Es gibt wenige Hochhäuser im Centro und viele alte, einst herrschaftliche Häuser, aus der Zeit, in der Manaus durch den Export von Kautschuk, die reichste Stadt Brasiliens war. Übrigens auch die erste Stadt Brasiliens in der es Elektrizität gab.

Wir tranken einen frischen Fruchtsaft in einem sehr sehr guten Saftladen: Skina dos Sucos, und bestellten gleich noch einen. Unser Favorit: Laranja & Mamão. (Orange & Papaya) Die Auswahl fiel wegen der Fülle an exotischen Früchten nicht leicht. Wer also zu Entscheidungsschwierigkeiten neigt sollte etwas mehr Zeit einplanen. (Diejenigen die schon einmal die Freude hatten mit mir essen zu gehen, wissen was ich meine.)

Eines der unverzichtbaren Sehenswürdigkeiten von Manaus ist das berühmte Opernhaus, das Teatro Amazonas. Dort haben wir abends ein Konzert der Orquestra Amazonas Filarmônica besucht. Wenn man ca. eine Stunde vor Vorstellungsbeginn kommt und sich in die Schlange stellt, kommt man übrigens umsonst rein.

Am darauffolgenden Tag fuhren wir mit einem Boot zum Encontro das Aguas, dort treffen der Rio Solimões und der Rio Negro zusammen und fließen einige Kilometer nebeneinander her, ohne sich zu vermischen. Dieses Naturphänomen kann man schon vom Flugzeug aus beobachten. Wenn man vom Boot aus die Hand ins Wasser hält und ganz langsam vom Rio Solimões zum Rio Negro fährt, kann man sogar den Temperaturunterschied der beiden Flüsse spüren.

FLORESTA

Der nächste Programmpunkt unserer Reise war die Malocas Jungle Lodge. Diese liegt fernab der Zivilisation, im Dschungel, am Rio Preto da Eva, und kann nur per Boot erreicht werden.

Wir verbrachten drei Nächte mitten im Urwald und ohne Strom, geschweige denn Internet oder Telefonempfang. Die Lodge ist sehr einfach aber schön und besteht aus zwei runden Hütten. Eine dient als Speisesaal und Aufenthaltsraum, in der anderen befinden sich 12 Zimmer. Leider hatten wir wohl einen schlechten Zeitpunkt ausgewählt und waren die einzigen Gäste. Dadurch waren wir zwar flexibler in der Tagesgestaltung, aber es war teilweise doch etwas einsam und langweilig. Außerdem hatten die Besitzer fälschlicherweise angenommen ich sei Französin, weil Sie dachten mein Name klänge französisch. Folglich hatten wir einen brasilianischen Guide, der fließend Französisch sprach. Da mein Cousin jedoch nur Deutsch und Englisch spricht musste ich ständig alles von Portugiesisch auf Deutsch übersetzen. (Das hat aber ganz gut geklappt, worauf ich ziemlich stolz bin.)

Am ersten Tag war es unglaublich heiß und wir unternahmen eine Wanderung auf einem Dschungelpfad zu Nativos, einer Familie von Ureinwohnern (Indios), die die einzigen sind die in diesem Gebiet das Recht haben Bäume zu fällen oder Tiere zu töten. Diese Nativos bekommen staatliche Unterstützung um sich Maschinen kaufen zu können, wie beispielsweise Motorsägen, die ihnen die tägliche Arbeit erleichtern sollen. Ich fand es jedoch etwas irritierend, das ein Blackberry auf einem der Tische lag. Das hat nicht ins Gesamtbild gepasst. Die Hütte der Nativos befindet sich am Flussufer und drum herum werden unter anderem Orangen, Bananen, Kakao und Maniok angebaut. Die Ernte wird dann auf dem Markt im nächstgelegenen Ort (2h per Boot) gegen andere Dinge getauscht. Ich habe aber leider nicht herausgefunden wieviel Maniokmehl man für ein Blackberry hinblättern muss. Das Oberhaupt dieser Nativos erzählte uns es gäbe in der Nähe einen Jaguar, vor dem man die Hunde schützen muss und, dass einige Hühner bereits Panthern zum Opfer gefallen waren. Wir hatten bis jetzt außer ein paar Geiern und Papageien aber noch keine wilden Tiere gesehen.

90% der Tiere im Amazonas sind Nachtaktiv. Deshalb konnten wir tagsüber unbesorgt im Fluss schwimmen, sobald die Sonne jedoch untergegangen ist wird davon abgeraten, denn dann gehört der Fluss den Piranhas und Kaimanen.

Für den dritten Tag in der Lodge war eigentlich ein Überlebenstraining geplant. Wir sollten unser Abendessen selbst fischen, sammeln oder jagen und anschließend in einer Hängematte mitten im Dschungel übernachten, doch es regnete den ganzen Morgen.

Uns wurde gesagt bei Regen wäre es sehr gefährlich im Dschungel, weil beispielsweise Äste herabstürzen können. Unsere Unternehmung stand also wegen des vielen Regens auf der Kippe und ein Alternativprogramm gab es leider auch nicht, sodass wir uns ziemlich langweilten. Unser Guide hingegen nahm den Regen zum Anlass, sich zu betrinken. Das fiel uns zunächst gar nicht richtig auf, wir wunderten uns nur über die vielen Planänderungen, die er uns alle 5 Minuten verkündete. Mal hieß es, heute Nacht wird es wieder kräftig regnen, da ist es viel zu gefährlich im Dschungel! Dann wiederum meinte er die Sonne am Himmel zu erahnen und prophezeite es würde nachts sehr warm werden. Wir wussten bald nicht mehr wo uns der Kopf stand und hatten genug von der ständigen Ungewissheit ob wir nun als Überlebenstraining im Dschungel übernachten werden oder nicht. Als es gegen 15 Uhr aufgehört hatte zu Regnen, war unser Guide bereits voll wie eine Strandhaubitze und konnte nicht mal mehr geradeaus schauen. Er kommentierte alles nur noch mit: „No Problem… No Problem!“ Nachdem sogar die Köchin und ein weiterer Angestellter auf uns zukamen und uns mitteilten dieser Guide sei „muito loco“ (ziemlich verrückt) und sie würden sich große Sorgen machen wenn wir heute Nacht wirklich im Wald schlafen würden, begruben wir unser Vorhaben endgültig.

Als Alternative nutzten wir die kurze Regenpause um mit dem Boot flussabwärts zu fahren und Piranhas zu angeln. Zusammen mit unserem Guide und einem weiteren Angestellten, der den Motor bediente und das Boot steuerte. Als wir beschlossen weiter zu ziehen weil wir an der ersten Stelle nicht erfolgreich waren, balancierte unser Guide über die Reling um das Boot loszumachen, das an einem Baum befestigt war. Das hat zwar etwas länger gedauert als sonst aber als die Leinen dann endlich los waren, fuhren wir weiter… Unser Guide balancierte über die Reling zurück, kam aber auf halbem Wege ins schwanken und fiel in den Fluss. Der Steuermann konnte den Motor gerade noch in die andere Richtung lenken, sodass die Schraube nur leicht seinen Kopf und Ellenbogen streifte und er mit kleinen Schrammen davonkam. Also no problem.

Nachts wurden wir von einem starken Gewitter und Regenschauern geweckt. Das Dach der Hütte war undicht und es tropfte auf unsere Köpfe. Wir waren froh die Lodge am darauffolgenden Tag, nach einer kleinen Wanderung, wieder verlassen zu können. Diese letzte Wanderung hat sich jedoch noch sehr gelohnt, denn wir haben eine Tarantula, einen Tucan und ein Faultier gesehen.

Es war zwar eine gute Erfahrung aber es ist auf Dauer doch ziemlich anstrengend,  ständig und vollkommen auf fremde Menschen angewiesen zu sein.


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